"Palliativ bedeutet, keinen Menschen allein zu lassen."

"Palliativ bedeutet, keinen Menschen allein zu lassen."

DGP: Theresa, du sprichst auf Instagram sehr offen über Themen wie Krankheit, Abschied und Trauer. Mit welchen Vorurteilen gegenüber der Palliativpsychologie oder Palliativversorgung im Allgemeinen wirst du dort am häufigsten konfrontiert, und wie baust du Berührungsängste ab?

Theresa: Das größte Vorurteil ist, dass viele Patienten und Angehörige denken, palliativ bedeute aufzugeben. Viele haben Angst, mit dem Stempel ‚palliativ‘ von den Ärzten oder ihrem Umfeld aufgegeben zu werden. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Palliativ bedeutet nicht, Hoffnung zu nehmen, sondern Lebensqualität zu schenken. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, aufzuklären, Ängste abzubauen und Gespräche zu ermöglichen, die sonst oft unausgesprochen bleiben.

Viele verbinden ‚palliativ‘ rein mit dem Sterben, obwohl es vor allem darum geht, die verbleibende Lebenszeit bestmöglich zu gestalten. Wie sieht deine psychologische Arbeit konkret aus, um Schwerkranke und ihre Angehörigen im Alltag zu entlasten?

Ich begleite nicht nur Patienten und Angehörige. Ich helfe Menschen auch dabei, das zu ordnen, was seelisch noch offen ist. Eine lebensbegrenzende Erkrankung verändert oft den Blick auf das Wesentliche. Themen, die jahrelang verdrängt wurden, werden plötzlich greifbar. Das macht psychotherapeutische Arbeit häufig besonders tief und wirksam.

Wenn du dir wünschen könntest, dass Menschen ihre Assoziation mit dem Wort ‚palliativ‘ von heute auf morgen verändern: Welcher Gedanke oder welches Gefühl sollte an erster Stelle stehen?

Ich wünsche mir, dass ‚Palliativ‘ als das verstanden wird, was es ist: der Full Service für Menschen in einer der schwersten Lebensphasen. Gerade wenn das Leben am verletzlichsten ist, braucht es die umfassendste Unterstützung. Palliativ bedeutet nicht aufzugeben. Palliativ bedeutet, keinen Menschen allein zu lassen.

 

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